Fragen, die Eltern (FAQ)

Vojta Methodik in der KindheitAntworten auf Fragen, die Eltern

  1. Wenn das Kind bei der Therapie weint, heißt es, es tut ihm weh?

Für das Weinen (im Rahmen der Therapie) gibt es mehrere Ursachen:

  • Bei Neugeborenen bis 6. Woche ist ein häufiger Grund die noch nicht entwickelte Thermoregulation. Ist ein so kleines Kind eine längere Zeit nackt, wird es ihm kalt und es weint. Die Lösung dieses Problems sind Gel-Wärmeunterlagen, die Wärmekomfort leisten.
  • Ein anderer Grund ist sog. „Lageunsicherheit des Kindes“ – es bedeutet, dass das noch motorisch unreife Kind seinen Schwerpunkt nicht richtig steuern kann. Auf einer flachen Oberfläche sucht das Kind eine Stütze indem es mit den Händen und Füßen herumfuchtelt. Dieser Zustand ist dem Kind unangenehm und es weint. Wenn wir das Kind in die Arme nehmen und ihm die Stabilität gewähren, beruhigt es sich. Bei der Therapie sind die Füße und Kopf reflexiv gehoben und das Unsicherheitsgefühl wächst.
  • Die vielleicht wichtigste Quelle des Weinens ist die schlechte Kommunikation mit dem Kind. Die Babys (0-1 Jahre alt) wollen die Kommunikation leiten, sie anfangen und beenden. Es handelt sich um einen angeborenen Muster der Kommunikation. Wenn man während der Therapie mit dem Kind nicht kommuniziert, wird es verunsichert. Durch das Weinen verlangt das Kind eine Erklärung und Versicherung, dass alles in Ordnung ist. Während der Therapie ist es nötig mit dem Kind stets zu kommunizieren, obwohl es gerade darauf keine Lust hat. Auch die Regelmäßigkeit der Therapie und eine positive Atmosphäre tragen dazu bei, dass sich das Kind auf die physische und psychische Belastung gewöhnt.
  • Ist die Ursache des Weinens der Schmerz, ist es auf jeden Fall ein Fehler. Der Schmerz schafft eine Abwehrreaktion, die die Therapie stört, außerdem überdauert das Weinen auch nachdem das Kind in den Armen ist. Die Eltern erkennen dieses Weinen als „ernstes“, mit dem das Kind eine Bedrohung signalisiert.
  1. Bevor ich die Therapie richtig beherrsche, kann ich dem Kind keinen Schaden zufügen?

Auch eine nicht völlig richtig durchgeführte Therapie ist ganz nützlich. Das Kind gewöhnt sich allmählich an die Therapie und die Eltern lernen sie dadurch. Die nicht vollkommende Durchführung schadet jedoch nicht.

  1. Ist die Therapie anspruchsvoll – schafft es nur eine Person?

Bei Babys (0-1 Jahre alt) kann die Therapie auch nur eine Person durchführen. Wenn es in der Familie eine Möglichkeit gibt, die Personen auszutauschen (um die eine Person zu entlasten), ist es meistens sehr willkommen.

  1. Sind einige Hilfsmittel nötig?

Bisher benutzt man keine Hilfsmittel außer Schaumbällen, Schlauchverbänden, schräger Liege. Ich habe vor Gel-Wärmeunterlagen und einige mehrere Hilfsmittel zu benutzen.)

  1. Ist die Vojta Therapie für jeden geeignet?

Es gibt eine ganze Reihe der Indikationen für Vojta Therapie. Bei kleinen Kindern sind es vor allem die Störungen der motorischen Entwicklung,  Zustände nach Schlüsselbeinbrüchen durchs Geburt, nicht richtig entwickelte Hüftgelenke, Unfähigkeit den Kopf zu drehen. Man muss bei kleinen Kindern mit Epilepsie vorsichtig sein. Bei älteren Kindern sind die Indikationen vor allem Störungen der Körperhaltung (Skoliosen…). Bei Erwachsenen benutzt man Vojta Therapie bei Störungen des Bewegungsapparats.

  1. In welchen Fällen ist es besser die Therapie vorübergehend zu unterbrechen (wegen einer Krankheit, Impfung…)?

Nach einer Impfung ist es nötig 3-4 Tage die Therapie zu unterbrechen, vor allem wenn es zu einer Reaktion kommt (erhöhte Temperatur, Schläfrigkeit, Müdigkeit). Bei gängigen Erkrankungen (Erkältung…) sollte man die Therapie unterbrechen nur wenn das Kind müde ist und erhöhte Temperatur hat. Sonst kann man die Therapie ohne Begrenzungen machen.

      7. Was passiert während der Therapie im Körper?

Durch die Stimulation der Auslösezonen kommt es zum Reflex der „Richtigstellung“ des Körpers verursacht (siehe unten). In den 50er Jahren des 19. Jh. hat MUDr. V. Vojta die allgemeinen Prinzipien der Kindesentwicklung (vom Geburt bis selbstständiger Bewegung) entdeckt. Diese erforschte er um eine Methodik zu finden für die Kinder mit Störungen im Bewegungsapparat (meistens nach einer Zerebralparese). Man wusste, dass sich die gesunde Bewegungsentwicklung nach bestimmten Prinzipien richtet und Stadien aufweist, die jedes gesunde Kind durchgehen muss. Vojta hat jedoch herausgefunden, dass auch die behinderten Kinder eine Entwicklung durchmachen, die allerdings zu einem pathologischen Bewegungsstereotyp führt. Nicht nur die gesunden, sondern auch die pathologischen Entwicklungsprinzipien beinhaltet unser Erbgut bis ins Erwachsenenalter. Die pathologischen Prinzipien werden dann aktiviert, wenn es während der Entwicklung oder auch im Erwachsenenalter zu Störungen am Bewegungsapparat kommt. Die gesunden Prinzipien bilden die Grundlage für die eigentliche Bewegung (sich umzudrehen, aufzurichten, gehen und greifen). Wenn diese Prinzipien nicht funktionieren, ist auch die Bewegung beeinträchtigt. Sie können z.B. durch eine Gehirnschlag oder Operation gestört werden. Wenn es dazu kommt, benutzt das Gehirn die pathologischen Prinzipien. Die können jedoch nur pathologische Bewegungsmuster schaffen (die Bewegung ist defekt). Das Ziel jeder Krankengymnastik ist die gesunden Prinzipien wieder auszubauen und dadurch die vollkommende Bewegung zu ermöglichen. Die neue Idee Vojtas war, dass jeder von uns mit einer „Korrektionsfähigkeit“ ausgestattet ist (ähnlich wie Fraktur- oder Wundheilung). Um diese Fähigkeit ausnutzen zu können müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden (wie Ruhigstellung im Gips bei einem Knochenbruch). Das Problem jedoch ist, dass diese Bedingungen heutzutage noch nicht völlig bekannt sind. Eine von diesen Bedingungen ist, dass der Körper eine bestimmte Lage einnimmt und durch Stimulation der Auslösezonen wird eine Reflexbewegung hervorgerufen. Es gibt zwei Typen der Reflexbewegung. Und zwar Reflexkriechen und –umdrehen, die in mehreren Modifikationen vorhanden sind.  Es geht um eine angehaltene „eingefrorene“ Bewegung. Dadurch kann man eine größere Wirksamkeit erreichen. Das Gehirn bekommt Informationen über die Bewegung und „repariert“ seine Daten, die nötig für die gesunden Bewegungsstereotypen sind. Die Vojta Therapie wurde zuerst bei kleinen Kindern benutzt, die von einer Störung des Bewegungsapparats bedroht waren. Die gewaltige Gehirnplastizität ermöglicht es auch die ernsthaften Störungen zu reparieren.

    8. Wie lange nach dem Essen kann ich mit dem Kind üben?

Man kann ziemlich bald nach dem Essen die Therapie machen. Bei Säuglingen bis 3 Monate kann man nach 15 – 20 Minuten anfangen, bei älteren Kindern, die feste Nahrung zu sich nehmen, ist es besser 30 Minuten zu warten.Die Verdauung wird durch die Therapie verlangsamt, denn das Blut in die Muskeln geliefert wird. Vojta Therapie wirkt sich positiv auf die Verdauung aus, denn sie normalisiert den Muskeltonus und erleichtert die Bewegung der Nahrung. Auch das Spucken bei Kindern wird durch die Therapie verbessert.

     9. Wie erkenne ich, dass ich mit dem Kind üben sollte? Erkenne ich es selbst, oder soll ich den Arzt besuchen?

Jede Mutter verfügt über ein eingeborenes Gefühl für die Entwicklung des Kindes. Unterbewusst beobachtet sie das Kind, vor allem:

  • Die Kraft und Klarheit seines Weinens, Brummeln und Johlen
  • Seine Muskelspannung – wie sich das Kind in ihren Armen verhält
  • Wie das Kind auf einer Matte liegt, sich nach hinten biegt
  • Wie es den Kopf hebt, ob es die Beine vorstellt
  • Ob die Hände locker sind, wie es die Spielzeuge ergreift

Entspricht das Kind den angeborenen Erwartungen der Mutter nicht, fühlt sie sich beunruhigt und sie sucht Hilfe und Erklärung. Dr. Vojta schätzte diesen Instinkt sehr hoch und er unterbewertete ihn nie. An der Tür seiner Praxis hatte er Aufschrift „MÜTTER HABEN IMMER RECHT“. Auch dadurch wurde die Frühdiagnostik entwickelt. Wenn die Mutter mit „etwas“ in der Entwicklung ihres Kindes nicht zufrieden ist (oft kann sie es gar nicht so richtig beschreiben), ist es nötig professionelle Hilfe zu suchen. Eine richtige Hilfe, keinen beschwichtigen Quatsch, dass das Kind „zu faul ist“, dass es mit dem Alter besser wird, oder dass jedes Kind anders ist. Die Ärzte können oft die Ursache (eine Abweichung in der Entwicklung) nicht feststellen und wollen die Mutter beruhigen. Es gibt folgende Abweichungen:

  • Mentale Entwicklungsstörungen (z.B.: Down-Syndrom)
  • Körperliche Entwicklungsstörungen, sog. Zentrale Koordinationsstörung und Muskelspannungsstörungen
  • Gemischte Störungen

Es ist sehr wichtig festzustellen um welche Stufe der Störung es sich handelt; sehr leicht, leicht, mittelgradig und schwer. Mutter, die Verdacht auf einen Entwicklungsproblem hat, sollte sich auf keinen Fall mit einer banalen Erklärung abfertigen lassen. Sie sollte fachliche, fundierte Antworten erfordern. Dafür bezahlt doch ihren Kinderarzt. Bekommt sie solche Antworten nicht, sollte sie Hilfe bei einem anderen Arzt suchen. In dem Buch, das ich schreibe, versuche ich eine „Anleitung“ zu schaffen, mit der man sich vergewissern kann, dass die Entwicklung korrekt läuft.

      10. Wann kann ich mit der Therapie anfangen?

Man kann sehr bald nach dem Geburt anfangen (2-3 Tag).

     11. Wann kann man am spätesten mit der Therapie anfangen?

Ich weiß nicht ob ich die Frage richtig verstehe, aber allgemein kann man sagen, dass wenn das Kind unter einer Störung leidet ist jede Verzögerung schlecht. Durch diese vermindert sich nämlich die Chance auf Normalisierung der Störung. Im Laufe des ersten Jahres ist das Gehirn sehr „plastisch“. Die Gehirnmasse in Entwicklung ist in der Lage viele neue Verbindungen herzustellen, die den Defekt (z.B.: Zerstörung der Gehirnmasse durch postpartale Blutungen; mangelhaftes  neuronales Netz usw.) verdecken oder völlig beseitigen können. Also je früher man anfängt, desto besser.

     12. Warum Baby schreit während einer Übung und im Laufe der Zeit in der gleichen Übung außerordentlich Spaß?

Am Anfang hat das Kind sog. „Lageunsicherheit“, die für es unkomfortabel ist. Durch die wiederholte Übung entstehen Verbindungen im Gehirn, die dem Kind eine größere Kontrolle ermöglichen. Das Unsicherheitsgefühl verschwindet und das Kind weint nicht mehr. Sobald das Kind in der neuen Lage sicher ist, fängt es an die neuen Bewegungsmöglichkeiten zu genießen. Man kann es mit Fahrrad fahren lernen vergleichen.

     13. Wie lange muss ich mein Kind trainieren? Wenn es möglich ist, mit Bewegung zu enden?

Die Therapie ist sinnvoll solange bis sich die Entwicklung normalisiert hat. Das ist stets individuell und es hängt vom Störungstyp und -stufe ab. Außerdem wird es davon beeinflusst wann man mit der Therapie angefangen hat. Je früher man die Störung entdeckt desto schneller erfolgt die Normalisierung und umgekehrt.

Die Folgen einer Vernachlässigung sind sehr individuell, sie hängen vom Störungstyp und –stufe ab. Die mittelgradigen und schweren zentralen Koordinierungs- und Tonusstörungen führen oft zu einem Typ der infantilen Zerebralparese. Die infantile Zerebralparese ist eine schwere Störung der Entwicklung des Bewegungsapparats, in die das Kind „wächst“, wenn sie nicht rechtzeitig diagnostiziert und therapeutisch behandelt wird. Außerdem gibt es sehr schwere, kombinierte Störungen, die auch bei guter Behandlung eine schlechte Prognose haben, zum Glück kommen diese eher selten vor. Die leichten Störungen beeinträchtigen oft die sog. „automatische Körperhaltung“ und die so betroffenen Kinder haben gestörtes Stehen und Gehen. Das Gangstereotyp wird beeinträchtigt, die Hüftgelenke und Fußspitzen rotieren nach innen. Die Entwicklung der Fußgewölbe läuft oft nicht richtig. Die weiteren Störungen, die Folge der Vernachlässigung der frühen Therapie sind, sind zum Beispiel:

  • Innenrotation der Fußspitzen
  • Innenrotation der Knie (X-Beine)
  • Vorschieben des Beckens
  • Ausgeprägte Beugung der Lendenwirbelsäule
  • Schwächung der Bauchdecke oft mit folgenden Anfälligkeit für Nabel- und Abdominalhernie
  • Abstehende Schulterblätter und Innenrotation der Schulter
  • Störungen der Brustkorb-Haltung, meistens Trichterbrust und folgende Atmungsstörungen
  • Wirbelsäulenverkrümmung
  • Vorgeschobener Kopf
  • Beeinträchtige Unterkieferhaltung, wobei der Mund nicht automatisch zugemacht wird und es entsteht ein falscher Überbiss und es folgen häufige Zahnkaries – die Kinder bevorzugen durch den Mund zu atmen.

     14. Welche Konsequenzen gewesen wäre, wenn ich nicht mit dem Kind geübt hatte?

Es geht um eine ganze Reihe der Entwicklungsstörungen, die sich nach und nach bemerkbar machen. Außer diesen sog. Grobmotorik-Störungen wird auch die Feinmotorik beeinträchtigt. Dazu gehören Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und  allgemeine Ungeschicklichkeit (z.B.: beim Lernen ein Musikinstrument zu spielen). Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Entwicklungsstörungen weiter die Entstehung  und Entwicklung der sog. Funktionsstörungen des Gehirns (Lese-Rechtschreibschwäche usw.)

     15. Wer kann zeigen ausüben?

Die Vojta Therapie wird ausschließlich nach dem Gesetz den Physiotherapeuten vorbehalten, die eine drei- oder fünfjährige Ausbildung abgeschlossen haben und eine Vojta-Therapie-Fortbildung gemacht haben. Es sind also keine Ärzte, Trainer, Masseure u.a. Die Therapie zu leiten ist eine verantwortuns volle Aufgabe und muss auch so von beiden Seiten betrachtet werden.

     16. Wann ist die beste Zeit für die Therapie? (nach / vor dem Essen …)

Die Therapie durchzuführen eignet sich 15 bis 30 Minuten nach dem Essen je nach dem Alter des Kindes. Es ist jedoch wichtig eine Tagesordnung zu schaffen in der die Therapie fest eingebettet ist. Dadurch kann sich das Kind an die Therapie besser anpassen und es entsteht eine biologische Gewohnheit, die dem Kind die Therapie besser zu vertragen hilft. Die Regelmäßigkeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor der Therapie. Es ist empfohlen, die Tagesordnung schriftlich zusammenzuschreiben und es wie ein Stundenplan einzuhalten.

     17. Ist es wahr, dass ein Kind mit dem man Vojta Therapie macht, früher kriecht bzw. geht?

Ja, es scheint so sein. Vor allem bei Kindern mit sehr leichten und leichten Bewegungsstörungen beschleunigt die Vojta Therapie das Reifen der Gehirnstrukturen und neuronalen Netzen, die dann reicher werden und die Gehirnkapazität erweitern. Es kommt nicht selten vor, dass solche Kinder vor dem 10. Monat zu gehen anfangen und ihre Bewegungskoordination und Geschicklichkeit sehr reif ist. Außerdem reift auch die Fein- (Geschicklichkeit der Hände beim Spielen, Malen usw.) und Psychomotorik (Sprechen, soziale Kontakte knüpfen) schneller.

     18. Hilft Vojta Therapie auch beim erhöhten Speichelfluss bei kleinen Kindern? Wenn ja, bis welchen Alter?

Durch die Therapie werden alle Bewegungsstereotype normalisiert und zwar in jedem Alter. Erhöhte Speichelfluss oder –produktion ist eine Störung des Schluckens der Speichel und bei Kindern bis 3 Monate ist es physiologisch. Danach sollten die Kinder fähig sein ihre Speichel durchlaufend zu schlucken. Bein einer zentralen Koordinationsstörung überdauert oft unkontrollierter  Speichelausfluss als Folge der Schluck-Koordination-Störung. Der unkontrollierte Speichelausfluss ist ein großes Problem auch bei geistlich behinderten Kindern. Durch die Therapie kann auch bei solchen Patienten den Speichelfluss normalisiert werden. Erwachsene nach einem Schlaganfall können dasselbe Problem haben und auch bei ihnen kann die Therapie den Speichelfluss normalisieren.

   19. Kann die Therapie negative psychologische Effekte an das Kind haben? Das Kind macht etwas, was es nicht möchte, was ihm unangenehm ist…

Die bisherigen Forschungen haben den Gegenteil bewiesen; d.h. Kinder, die die Vojta Therapie gemacht haben, hatten ein besseres Verhältnis mit dem Elternteil, der die Therapie mit dem Kind gemacht hat, als mit dem anderen Elternteil. Warum es so ist, ist schwer zu erklären. Das Kind nimmt jedoch unbewusst wahr, das ihm seine Mutter (sein Vater) kein Unrecht tun möchte, im Gegenteil. Obwohl sich das Kind bei der Therapie oft wehrt und sich widersetzt, entsteht durch die Therapie ein positives Verhältnis. Das Ego des Kindes nimmt wahr, dass sich ein Elternteil (der, der die Therapie durchführt) um es mehr kümmert als der andere. Während und nach der Therapie ist das Kind außerdem oft getröstet vor allem durch einen intensiven Körperkontakt, der für die künftige Beziehung äußerst wichtig ist.

    20. Gibt es Nebenwirkungen der Therapie?

Vojta Therapie wird schon seit mehr als 50 Jahren angewendet und die bisher bekannten Nebenwirkungen sind durchaus positiv. Außer der absichtlichen Grobmotorik-Normalisierung beeinflusst die Therapie auch die „höheren Funktionen“ des Nervensystems einschließlich den kognitiven (Störungen der Feinmotorik, Lesestörungen, Hyperaktivität usw.). Oft wird auch das Schielen normalisiert, das durch schlechte Koordination der Augenmuskulatur verursacht wurde.

     21. Ist es wichtig regelmäßig zu üben?

Die Regelmäßigkeit ist bei der Therapie äußerst wichtig. Es ist gut einen Tagesordnung zu schaffen wann mit dem Kind geübt wird. Dadurch gewöhnt sich das Kind an die Übung besser. Der Tagesordnung sollte aufgeschrieben werden und es sollte wie ein Stundenplan eingehalten werden.

     22. Wie oft und wie lange sollte man üben?

Die Einteilung der Therapie ist individuell, es hängt vom Alter des Kindes und Störungstyp ab. Allgemein kann man sagen, dass bei Kindern unter 1 Jahr ist es gut 4x pro Tag zu üben, bei älteren Kindern 1-2x pro Tag. Die Länge der Übung beträgt bei Säuglingen ca. 0,5 Minuten und nach und nach wird sie sich auf eine Minute verlängert. Diese Zeitspannen gelten für Stimulation einer Übung auf einer Seite. Es ist wichtig symmetrisch (auf beiden Seiten) zu üben. Bei älteren Kindern kann man die Stimulation bis auf 2-3 Minuten verlängern.

    23. Kann das Kind durch eine exzessive Therapie überlastet werden?

Ja, wenn die Therapie zu lange liefe, würde sie (wie andere physische Anstrengung)  zur Überlastung führen.

    24. Wenn ich für einige Zeit mit der Therapie aufhöre, stört es die erreichten Stereotype und komme ich, so zu sagen, wieder an Anfang?

Diese Frage ist ein bisschen kompliziert. Bei kleinen Kindern (unter 1 Jahr), wenn die Bewegungsstereotypen intensiv gebildet werden ist es notwendig eine stetige Therapie durchzuführen. Daher ist es empfohlen nur die nötigen Pausen zu machen, d.h.: nach der Impfung und bei erhöhter Temperatur. Im ersten Jahr können viele Bewegungsstörungen normalisiert werden. Bei älteren Kindern, die diese Grundstereotype schon gebildet haben (sowohl die physiologischen als auch die pathologischen Stereotype), stellt eine Pause in der Therapie kein so großes Problem dar. Durch die Therapie der älteren Kinder wird das Stereotyp vervollkommnet und optimiert. Die bereits beendeten „Grundlagen“ ändern sich nicht und wenn es zur Pause kommt ist es nicht so problematisch. Sollte die Pause aber zu lang sein, könnte sich der erreichte Zustand verschlechtern.

    25. Sind die Ergebnisse der Therapie dauerhaft?

Ja, die Resultate der Therapie können als dauerhaft betrachtet werden, da sie einerseits durch Veränderungen am Gehirn gekennzeichnet sind (dichteres neuronale Netz und dadurch auch Bewegungsnormalisierung) und anderseits Veränderungen am Bewegungsapparat (Gelenkstellungen und automatische Körperhaltung).

   26. Wie kann ich dem Kind die Therapie angenehmer machen?

Vor allem muss man solche Außenbedingungen herrichten, die dem Kind angenehm sind. Bei Säuglingen geht es vor allem um Wärmekomfort, da sich bei ihnen noch nicht eine vollkommene Thermoregulation entwickelt hat. Die Zimmertemperatur während der Therapie sollte 24-26 Grad sein. Es ist wichtig eine ruhige und gemütliche Atmosphäre zu schaffen; es ist nicht gut, wenn die älteren Geschwister stören und die Aufmerksamkeit der Mutter beanspruchen. Genauso schlecht sind andere Familienmitglieder die „einen guten Rat“ geben wollen. Wenn Ihre Verwandten Ihnen nicht helfen, sollten sie wenigstens nicht stören. Die Stelle wo Sie üben (Tisch, Wickelkommode) sollte stabil sein und mit einer weichen, hygienisch bedeckten Matte ausgestattet. Älteren Kindern kann man ihre beliebte CD mit Musik oder Märchen spielen.

     27. Welche Muskel werden durch die Therapie beeinflusst? Kann dadurch Speichelfluss, Bettnässen, Saugen beim Stillen usw. beeinflusst werden?

Die Vojta Therapie beeinflusst alle Muskel einschließlich der Zungen-, Augen- oder Schließmuskeln. Es sind alle Bewegungsstereotype normalisiert und zwar in jedem Alter. Überhöhter Speichelfluss ist durch Störung des automatischen Speichelschluckens verursacht. Der ist physiologisch bei Kindern bis 3 Monate, dann sollten die Kinder in der Lage sein die Speichel automatisch zu schlucken. Bei Kindern mit Koordinationsstörungen und bei geistlich behinderten Kindern überdauert der überhöhte Speichelfluss. Durch eine richtige Therapie kann dieses Problem auch bei älteren Kindern beseitigt werden. Bei Erwachsenen kann der Speichelfluss nach dem Schlaganfall vorkommen. Auch bei ihnen kann die Therapie zur Normalisierung des Speichelschluckens führen. Bettnässen bei älteren Kindern ist ein kompliziertes psychosomatisches Problem und es ist nicht einfach seine Ursachen festzustellen. Bei einigen Kindern eignet sich die Vojta Therapie zu benutzen. Probleme beim Saugen beim Stillen sind oft durch gestörte Saug- und Schluckstereotyp verursacht. Meistens hängen diese mit zentraler Koordinierungsstörung und Störung des Muskeltonus zusammen. Durch die Therapie werden beide Stereotype modifiziert und es wird problemloses Saugen und später auch Essen ermöglicht. Überdauert diese Störung, wird das Füttern für das Baby zu einer Stresssituation, denn der Hunger zwingt es zu trinken, gleichzeitig würgt es oft. Gestörter Stereotyp der Augenmuskeln führt oft zum Schielen. Auch diese Störung kann man durch die Therapie beeinflussen, die Muskeln koordinieren und ihre Spannung normalisieren.

    28. Muss das Kind jedes Mal nackt sein? Ist es in Ordnung wenn es eine Windel hat?

Bei der Therapie ist es am Besten wenn die Kinder bis 1 Jahr ganz ausgezogen sind und sie werden nicht durch den Kontakt mit Kleidung gestört. Die Kleidung oder Windel reibt an der Haut und verursachen störende sensorische Stimulation. Diese kann den Reflex negativ beeinflussen. Bei älteren Kindern ist es gut nur in Unterwäsche zu üben.

     29. Reagiert das Kind bei der Therapie nicht (hebt die Beine nicht), bedeutet das, dass die Therapie schlecht gemacht wird? Gegebenenfalls das es nicht währen der Therapie sondern beim folgenden Anziehen reagiert.

Die Reaktion des Kindes ist individuell und sie hängt mit dem Störungstyp und Entwicklungsphase des Kindes zusammen. Es kann zum Beispiel die Muskelspannung geübt werden und dabei ist die Bewegung minimal. In jedem Fall ist aber eine kontinuierliche therapeutische Betreuung und Konsultation nötig. Der Therapeut, der die Therapie leitet, erkennt wann eine Änderung (z.B.: in der Lage…) nötig ist.

     30. Wenn die Therapie dem Kind nichts ausmacht (es weint nicht dabei), lohnt es sich mehrmals nacheinander zu üben?

Es ist sehr gut, wenn das Kind beim Üben nicht weint. Wenn Sie die optimalen Bedingungen gewährleisten, ist das Weinen minimal (siehe Frage 1). Es ist nötig die Therapie (und auch die Wiederholungen) einzuhalten, bei Säuglingen meistens 4x am Tag zu üben.

     31. Das Kind windet sich bei der Therapie – soll man es aufrichten?

Durch die Therapie werden Grundstereotypen der Bewegung hervorgerufen – das Umdrehen und Krabbeln. Die beinhalten einen „windenden“ Bestandteil. Wenn sich diese sichtbar macht ist es physiologisch. Damit die Drehung (das Winden) nicht zu stark ist und die anderen Bewegungskomponente (Beugung, Umdrehung) nicht stört, ist es besser auf einer Matte zu üben, die das Durchdrehen des Kindes verhindert.

     32. Wenn die Bewegung gebunden ist Blickkontakt zu sein – ein Kind Kopf lenkt anders. Muss “go” wurde hinter ihm noch und nur mit ihm reden und es nicht zu lösen?

Der Blickkontakt bei der Therapie aufzunehmen ist sehr wichtig. Die nonverbale Kommunikation hilft dem Kind sich in der neuen Situation zu orientieren. Die Kopfabwendung erfolgt sowohl spontan als auch reflexiv. Es ist nicht nötig dem Blick des Kindes zu folgen, wenn das Kind den Blickkontakt braucht, wird es für ihn „zurückkommen“. Es ist jedoch sehr wichtig mit dem Kind wenn möglich währen der ganzen Therapie zu sprechen.

       33. Eine Hand sollte bei der Therapie am Körper sein – reicht es vom Schulter bis zum Ellbogen oder muss es die ganze Hand sein?

Diese Lage entspricht der Lage I. (auf dem Rücken). Im Grunde genommen reicht es nur den Teil „Schulter-Ellbogen“ am Körper leicht zu halten.

      34. Therapie 4x am Tag – wenn man es an einem Tag nicht schafft sollte man am nächsten Tag um so mehr üben?

Viermal am Tag zu üben ist optimal, wenn man es aus einem wesentlichen Grund nicht schafft, ist es gut am nächsten Tag normal weitermachen. Durch extensive Wiederholung könnte das Kind überlastet werden. Es ist jedoch wichtig, die Zeit so zu organisieren, dass es zu solchen „Ausfällen“ möglichst selten kommt.

      35. Wenn das Kind einen Schnuller währen der Therapie hat, reagiert es nicht viel. Wenn der Schnuller rausfällt hebt das Kind die Beine höher. Wie ist es möglich? Konzentriert sich das Kind jetzt an die Therapie statt an den Schnuller?

Ja, die Konzentration auf den Schnuller kann der Grund sein. Dennoch, wenn das Kind mit dem Schnuller ruhig ist, lassen Sie ihm es. Die Stimulation erfolgt sowieso und das Kind ist zufrieden.

     36. Ist die Reihenfolge der Übungen wichtig? A – ist es egal mit welcher man anfängt und endet? B – ist es egal ob zuerst z.B.: die rechte und dann die linke Seite kommt?

Im Bezug auf die Erwartungen des Kindes ist es gut eine bestimmte Ordnung zu haben. Und zwar sowohl in den Tageszeiten betrifft als auch in der eigentlichen Therapie. In diesen Fragen ist es am besten sich an den Therapeuten zu wenden.